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3702-6-4-6, Valre
"Schreib was", forderte mich der gute Marven Nocòlre schon vor ein paar orse auf und liegt mir seither fast täglich mit diesem Wunsch in den Ohren. Nunja ...
Hier sitze ich also auf der Seeterrasse des "serel chandé", was sich sinngemäß als "Wanderers Ruh" übersetzt und ein sehr bekanntes und gut besuchtes Café-Restaurant in Dol Weur ist. In Dol Weur Valréne natürlich, nicht in dem anderen Dol Weur da unten bei Üsanchou.
Es ist noch früh - wir Valrer lieben es, den Tag sehr früh anzufangen und erstmal eine gute Stunde oder auch zwei bei styra, cheven daji, esrone atatasè und múren zu verbringen.
Was das ist? Liebe Freunde aus dieser anderen Welt, auf deren Entdeckung Marven so stolz ist, woher soll ich das denn wissen?
Marven und sein Team aus Wissenschaftler kommen und kommen und kommen nicht vorwärts, weil sie mit Wissenschaftlern euerer Welt über die Länge und Breite und Farbe von Atomen debattieren, damit sie schließlich in zehn Jahren sagen können, wie viele eurer "Meter" ein dase sind. Unfug.
Ein rasji dase - die "geringere Länge", ein altes, immer noch gebräuchliches Maß aus der Zeit, als man noch in Fingernägeln, Stiefeln und angebrochenen Eimern rechnete - ist so lang

und 16 rasji dase sind ein dase. Alles klar? Dann zurück zum Frühstück, dessen traditionelle Bestandteile ich weiter oben aufgezählt habe.
styra ist ein Getränk. Es wird aus fermentierten, getrockneten, gerösteten, gemahlenen und mit kochendem Wasser aufgebrühten styra-Beeren bereitet. Die beste Sorten gedeihen im Hochland von Cee, an den Osthängen des narewaneji-Massivs. obwohl - das ist eine religiöse Frage.
Das fertige Getränk ist von dunkler, fast schwarzer Farbe, intensivem Geruch und enthält ein starkes Nervengift, das in geringen Dosen anregend wirkt. Der durchschnittliche Valrer schlürft seine halbe echira styra täglich. Einige Extremisten - wie ich - kommen auf wesentlich mehr. Im Süden Cees und Balrs sowie im nördlichen Satürn stellt styra-Trinken sogar so was wie einen Volkssport dar.
Übrigens sollte ein Mensch ca. drei echira Wasser pro Tag trinken, womit mal wieder eine dieser lästigen Fragen nach der korrekten Maßeinheit geklärt wäre, was, Marven?
cheven daji - eigentlich ist das eine planetarische Krankheit, kein Essen. Die wörtliche Übersetzung lautet "Ofenbrot", was nun in meinen Ohren keinen Sinn ergibt. Es handelt sich um eine ovale Rolle aus Teig, etwas drei Finger breit und etwas länger als meine Hand.
Gefüllt wurde sie ursprünglich mit all den Essenresten, die in einem bäuerlichen Haushalt so anfallen: Fleisch und Fisch, Käse und Gemüse, Obst und Nüsse - hack es klein, verkoche es in einem Würzsud, bis du eine recht steife, zähe Masse hast, füll es in den Teig, rolle ihn und back ihn über Nacht im langsam erkaltenden Ofen.
Das ist traditionelles cheven daji, wie es von Udsor über Afelan und Vonora bis in die Chantareji zubereitet, gegessen und geliebt wird.
Hier im "serel chandé" werden die cheven daji nach genau dieser klassischen Methode täglich frisch hergestellt. Nicht dieser abgepackte, homogenisierte Plastikmist, den man in Supermärkten oder Schnellimbiß-Ketten zu kaufen kriegt.
Meine sind übrigens mit Zwiebeln, Lauch, Ziegenkäse und grünem Pfeffer gefüllt, genau richtig für ein ordentliches valrésches Frühstück.
esrone atatasè und múren bedürfen glücklicherweise keiner längeren Erklärung. Das erstere sind Rühreier - gerne mit Dill, Schnittlauch und gebratenem Speck gegessen - und das letztere sind Brötchen. Frisch und heiß sind sie hier.
Heiß scheint inzwischen auch die Sonne auf meine beginnende Glatze. Sie hat die letzten morgendlichen Nebelschleier über dem isten matrigoné gefressen und nun dehnt sich der blinkende, gleißende See in seiner grandiosen Schönheit weit vor meinen Augen, bis er am südlichen Horizont mit den bläulich schimmernden Ausläufern des malloc verschwimmt.
Ach, Marven, das ist Magie. Nicht dieser Unsinn, den du da treibst.
Auch anderes ist magisch.
So hat das gute Wetter die Menschen veranlasst, ihre Sommerkleider aus den Schränken zu holen. Dieses Jahr schreibt die Mode kurze Röcke bis zur Mitte des Oberschenkels vor. Sie sind meist glatt bei den Frauen und in reichem Faltenwurf bei uns Männern. Schließlich will man ja nicht auftragen.
Dazu trägt man ärmellose Westen, die die Mitte der Brust freilassen und mit Spangen, Schnüren oder Kettchen verschlossen werden. Ein gutes Argument, für einen einigermaßen flachen Bauch zu sorgen. Bei den Westen bevorzugen übrigens die Frauen den bauschigen, faltenreichen Entwurf, während unsereiner sich hier eher schlicht gibt.
Ist es nicht witzig, zu welch absurden Unterschieden in der Bekleidung der Unterschied zwischen den Geschlechtern führt?
Auf alle Fälle bin ich von attraktiven, faszinierenden und stimulierenden Eindrücken umgeben.
Genug davon. Marven meinte, dass ihr in eurer Welt ein ähnliches Problem mit Erotik und Sex habt wie diese Banausen oben in Chimarron, die selbst heute noch glauben, dass derartige Gedanken oder gar Handlungen der Reinheit ihrer Seelen ungeheuren Schaden zufügen.
Nun, ich bin jedenfalls auch für die kleinen Gaben der Göttin dankbar und werde - nach einem ausgedehnten Spaziergang - im See schwimmen gehen und vielleicht mit der einen oder anderen Schönheit ein uraltes Dankritual an die Göttin zelebrieren.
Euer Karon Chaligen deTorén niValre
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