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Gesellschaft

Aus ihrem historischen Entstehen heraus ist die chantarejische Gesellschaft von Flucht, von Weggehen und auch von sturer, standhafter Verteidigung geprägt.

Flucht vor den übermächtigen Gewalten, Weggehen aus unerträglichen, unabänderlichen Zuständen, Verteidigung des Erlangten, Erarbeiteten und Aufgebauten.

In dem riesigen Land wichen die Menschen unerträglicher, unfähiger, willkürlicher und grausamer Herrschaft jedweder Art immer wieder durch erneute Binnenkolonisation aus. Grundsätzlich formte dies die chantarejische Mentalität, nicht lange zu klagen und zu jammern, nicht die leidvolle und beleidigte Rolle des Opfers anzunehmen, sondern über Gehöft, Dorf und Grafschaft zu blicken, die Habseeligkeiten zu packen und woanders einen neuen Anfang zu machen.

Herrscher, die nicht verstanden, dass ihre einzige Befugnis zum Herrschen das Einverständnis der Beherrschten war, sahen sich plötzlich von allen bis auf bezahlte Lakaien verlassen.

Die Wanderer in den Weiten des Landes wiederum lernten, sich auf die eigene Kraft zu verlassen — wenn im Umkreis mehrerer hundert anadasé niemand ist, liegt es ganz in der eigenen Verantwortung, die Dinge so zu tun, wie man sie wünscht. Es gibt keinen Schuldigen, denn es ist niemand da, dem man die Schuld zuweisen kann. Selbstzuweisung wird auf die Dauer langweilig, denn es ist auch niemand da, der ein armes Opfer bemitleidet.

So lernten die Chantareji im Laufe der Jahrhunderte, dass Schuld und Unschuld, Gut und Böse nur als abstrakte moralphilosophische Kategorien existieren. Ausschlaggebend für das Wohlbefinden des Einzelnen ist sinnvolles oder sinnloses Handeln und das Verständnis, dass jeder einzelne für sein eigenes Tun und sein eigenes Unterlassen die Verantwortung trägt.

 
 

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